Dr Judith Mangelsdorf

Aus Krisen wachsen

Folge 17: Aus Krisen wachsen – Interview mit Dr. Judith Mangelsdorf

Endlich haben Dr. Judith Mangelsdorf und ich es geschafft und uns für dieses Interview auf Zoom getroffen!

Es geht um das spannende Thema „Wie du in und nach Krisen wachsen  kannst“. 

Dr. Judith Mangelsdorf ist Psychologin und Autorin. 2014 hat sie gemeinsam mit Dr. Christin Celebi die Deutsche Gesellschaft für Positive Psychologie (DGPP) in Berlin gegründet.

Die Arbeit der DGPP widmet sich der Vermittlung und Erforschung der Positiven Psychologie. Die Mitarbeiter der DGPP verbindet eine gemeinsame Vision: Sie streben danach, das Wissen der Positive Psychologie zu verbreiten und es gesellschaftlich nutzbar zu machen.

Positive Psychologie ist wissenschaftliche Erforschung dessen, was das Leben lebenswert macht. 

Dr. Judith Mangelsdorf promovierte und forschte insbesondere über das menschliche Wachstum nach einschneidenden Lebensereignissen – auch Posttraumatischer Wachstum genannt. 

Diese Fragestellung ist in Zeiten der Pandemie aktueller denn je: wie können wir gut durch diese Krise kommen und wie können wir vielleicht sogar daran wachsen?

Judith ist aktuell ein sehr gefragter Interviewgast – in Zeitungen und im Fernsehen – und ich bin froh, dass wir es nun endlich geschafft haben, zusammen zu kommen. 

Judith erläutert und in diesem Gespräch, was eine Krise ist. Und welche Phasen eine Krise typischerweise durchläuft. 

Es gibt ein Modell, die sog. Kübler-Ross Kurve, das man auch für Trauer- und Veränderungsprozesse anwendet. Danach durchlaufen wir in der Regel nach einem einschneidenden lebensverändernden Ereignis fünf Phasen. 

Was uns in der schwierigsten Phase, auch „Tal der Tränen“ genannt, helfen kann, erzählt uns Judith. 

Präsenz, Achtsamkeit und Wertschätzung dessen, was wir haben, können uns dabei unterstützen. 

Und Judith erläutert, inwieweit es sinnvoll sein kann, sich Ziele zu setzen. Was sind sinnvolle Ziele, die uns Kraft geben können und nicht entmutigen?

„Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“ sagte Friedrich Nietzsche. Warum das so nicht zutrifft, weiß Judith zu berichten. 

In ihren Forschungen zu dem Thema Posttraumatischer Wachstum hat sie sich mit den unterschiedlichen Verläufen in und nach einer Krise beschäftigt. Sie erklärt uns hier die vier unterschiedlichen typischen Verläufe.

Das Wort „Resilienz“ ist ja aktuell in aller Munde. Wie eine Superpower der Unverletzlichen wird diese in vielen Artikeln gepriesen. 

Spannend zu erfahren, dass Resilienz zwar vor tiefen Einbrüchen schützt, damit auch aber die Chancen auf ein Wachstum in oder nach der Krise verringert. 

Wir sprechen auch darüber, dass man in einer solchen Krise „stecken bleiben“ kann. Judith erklärt, wie man das erkennen kann und was man selbst oder als Außenstehender dann tun kann. 

Zu guter Letzt beantwortet Judith noch die Frage, was es konkret für ein Wachstum in und nach einer Krise braucht: Positive Emotionen, stabile soziale Beziehungen und Sinn. Für sich selbst eine Erklärung zu finden, wozu diese Krise vielleicht doch gut war bzw. was sie Gutes verursacht hat, kann Sinn schaffen. 

Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: als mich im Sommer 2018 mein oller Schlaganfall völlig überraschend traf, stellte ich mir schon die Frage: Warum ich? Ich war enttäuscht, dass mir das Schicksal noch eine weitere schwere Prüfung auferlegt hatte. 

Mein Umfeld, die Menschen, die mich wichtig waren und sind, gaben mir Kraft. Zusätzlich war ich in der Lage, mir positive Emotionen zu bescheren. Das Gefühl der Dankbarkeit, aber auch Freude und Liebe. 

Und irgendwann konnte ich dem Ganzen auch einen Sinn zuschreiben, indem ich mir überlegt habe, was ich in meinem Leben danach verändern will. 

Ich bin kein resilienter Mensch. Ich habe die Täler im Burnout und auch nach dem Schlaganfall jeweils voll mitgenommen. Glücklicherweise war ich aber in der Lage, mit positiven Emotionen, meinem Umfeld und durch Sinn mich zu berappeln. Und gefühlt bin ich jeweils daran gewachsen. 

Ein tolles Gespräch, in dem ich auch noch einmal viel lernen durfte!

Und hier findest du das Buch von Dr. Judith Mangelsdorf „Positive Psychologie im Coaching“, erschienen im Springer Verlag:

Ein kleines, inhaltsstarkes Buch über das sog. Positive Coaching. Insbesondere für Berater, Trainer, Coaches und HR-Spezialisten/innen spannend!

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